Die Anforderungen an Exzellenzcluster, SFBs und Exzellenzuniversitäten sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Forschung allein reicht längst nicht mehr aus. Heute müssen komplexe Vorhaben nicht nur wissenschaftlich exzellent sein, sondern auch nachvollziehbar, glaubwürdig und überzeugend vermittelt werden.
Dabei scheitern viele Anträge nicht an mangelnder wissenschaftlicher Qualität, sondern an vermeidbaren Schwächen in Struktur, Kommunikation und Darstellung.
Die folgenden Beobachtungen basieren auf unserer Arbeit mit zahlreichen Förderanträgen sowie auf wiederkehrenden Rückmeldungen aus dem Umfeld von Antragstellern, Gutachtern und Forschungsmanagern.
Governance ist wichtig. Gerade bei großen Verbundvorhaben möchten Gutachter verstehen, wie Entscheidungen getroffen, Maßnahmen gesteuert und Verantwortlichkeiten verteilt werden.
Ein häufiger Fehler besteht jedoch darin, Governance-Strukturen immer weiter auszubauen. Zusätzliche Boards, Councils, Committees, Task Forces und Management-Ebenen sollen Sicherheit vermitteln, erzeugen jedoch oft das Gegenteil. Statt einer klaren Führungsstruktur entsteht der Eindruck eines schwerfälligen Verwaltungsapparates.
Gutachter stellen sich dabei meist eine einfache Frage:
Wer entscheidet eigentlich was?
Wenn diese Frage nicht innerhalb weniger Minuten beantwortet werden kann, wird aus Governance schnell Bürokratie.
Die überzeugendsten Anträge zeigen daher nicht möglichst viele Gremien, sondern möglichst klare Verantwortlichkeiten und effiziente Entscheidungswege.
Viele Anträge enthalten eine Vielzahl sinnvoller Maßnahmen. Nachwuchsförderung, Internationalisierung, Transfer, Gleichstellung, Infrastruktur, Recruiting oder Datenmanagement sind wichtige Bestandteile moderner Forschungsstrategien.
Problematisch wird es, wenn diese Maßnahmen nebeneinanderstehen, ohne erkennbar miteinander verbunden zu sein.
Dann entsteht schnell der Eindruck einer Beutegemeinschaft, in der verschiedene Gruppen Mittel erhalten sollen, ohne dass ein gemeinsames strategisches Ziel erkennbar wird.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welche Maßnahme umgesetzt wird.
Die entscheidendere Frage lautet:
Warum genau wird sie umgesetzt?
Jede Maßnahme sollte nachvollziehbar erklären können,
Je klarer diese Verbindung sichtbar wird, desto stärker wirkt das Gesamtkonzept.
Fast jeder Antrag spricht von Exzellenz, Innovation oder internationaler Sichtbarkeit.
Für Gutachter sind solche Begriffe jedoch zunächst nur Behauptungen.
Überzeugend wird ein Antrag erst dann, wenn er konkrete Belege liefert.
Genau hier spielen Fallbeispiele, Pilotprojekte, bestehende Strukturen oder bereits erfolgreich erprobte Prozesse eine wichtige Rolle. Sie zeigen, dass bestimmte Ansätze nicht nur theoretisch funktionieren könnten, sondern bereits erfolgreich funktionieren.
Besonders bei neuen Fördermaßnahmen oder organisatorischen Konzepten möchten Gutachter erkennen können, wie deren Umsetzung in der Praxis aussehen soll.
Je besser ein Antrag zeigen kann, dass seine Konzepte realistisch, erprobt und skalierbar sind, desto stärker wird seine Glaubwürdigkeit.
Ein Irrtum hält sich erstaunlich hartnäckig:
Die Annahme, dass jeder Gutachter den gesamten Antrag mit derselben Intensität liest.
Die Realität sieht meist anders aus.
Natürlich wird der Antrag insgesamt bewertet. Gleichzeitig entscheiden die ersten Seiten häufig darüber, mit welcher Erwartungshaltung der restliche Antrag gelesen wird.
Die Einleitung, die Gesamtstrategie und die zentralen Ziele müssen deshalb besonders stark sein. Hier entsteht der erste Eindruck darüber, ob das Vorhaben relevant, ambitioniert und zugleich realistisch erscheint.
Die meisten Leser sollten nach den ersten Seiten verstanden haben:
Die wissenschaftlichen Details einzelner Research Areas können anschließend folgen. Die strategische Überzeugungsarbeit sollte zu diesem Zeitpunkt bereits geleistet sein.
Viele Anträge beginnen stark und enden überraschend unspektakulär.
Dabei sind Anfang und Ende oft die beiden Bereiche, die am längsten in Erinnerung bleiben.
Während die Einleitung häufig intensiv ausgearbeitet wird, endet der Antrag nicht selten mit organisatorischen Details, Maßnahmenbeschreibungen oder administrativen Ausführungen.
Damit wird eine wichtige Chance verschenkt.
Ein erfolgreicher Antrag benötigt eine Vision, die größer ist als die einzelnen Projekte, aber gleichzeitig erreichbar bleibt.
Gutachter möchten verstehen, wie die Forschungslandschaft nach erfolgreicher Förderung aussehen soll. Welche Veränderungen werden möglich? Welche neuen Perspektiven entstehen? Welche langfristige Wirkung wird erzielt?
Wer am Ende noch einmal ein klares und inspirierendes Zukunftsbild zeichnet, verankert die zentrale Botschaft des Antrags deutlich nachhaltiger.
Nicht jeder Gutachter ist Spezialist für jedes Teilgebiet eines Antrags.
Gerade bei großen Verbundvorhaben treffen unterschiedliche Disziplinen, Methoden und Forschungsfelder aufeinander. Entsprechend unterschiedlich sind auch die fachlichen Hintergründe der Gutachter.
Ein häufiger Fehler besteht darin, unbewusst vorauszusetzen, dass alle Leser denselben Kontext besitzen wie die Antragsteller selbst.
Doch Exzellenz kann nur bewertet werden, wenn sie verstanden wird.
Das bedeutet nicht, wissenschaftliche Präzision aufzugeben. Im Gegenteil. Die Kunst besteht darin, komplexe Inhalte so zu formulieren, dass auch fachfremde Gutachter den Mehrwert, die Relevanz und die Innovationshöhe erkennen können.
Die stärksten Anträge schaffen genau diesen Spagat zwischen wissenschaftlicher Tiefe und verständlicher Kommunikation.
Fast jeder große Förderantrag erreicht irgendwann den Punkt, an dem Seiten gekürzt werden müssen.
Und erstaunlich oft fallen die ersten Kürzungen bei den Abbildungen an.
Das erscheint zunächst logisch. Eine Grafik verbraucht Platz, während Text vermeintlich mehr Informationen transportiert.
In der Praxis ist jedoch häufig das Gegenteil der Fall.
Gutachter müssen innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Informationen erfassen und bewerten. Klare Grafiken helfen dabei, komplexe Zusammenhänge schneller zu verstehen, Strukturen einzuordnen und zentrale Botschaften zu erfassen.
Eine gute Grafik ersetzt nicht den Text. Sie macht den Text verständlicher.
Besonders bei Governance-Strukturen, Forschungsprogrammen, Transferpfaden oder Fördermaßnahmen können wenige gut gestaltete Abbildungen mehr Orientierung schaffen als mehrere Seiten Fließtext.
Die Annahme, dass ausreichend intelligente Leser jeden Zusammenhang allein aus dem Text erschließen werden, ist riskant. Sie setzt voraus, dass alle Leser denselben Hintergrund, dieselbe Aufmerksamkeit und dieselbe Zeit investieren können.
Genau das ist in Begutachtungsverfahren selten der Fall.
Visuelle Kommunikation ist deshalb keine Dekoration. Sie gehört zu den wirksamsten Werkzeugen, um wissenschaftliche Exzellenz sichtbar und verständlich zu machen.
Die meisten Förderanträge scheitern nicht an mangelnder wissenschaftlicher Qualität. Die eigentlichen Schwächen liegen häufig in der Kommunikation.
Zu komplexe Governance-Strukturen, unverbundene Maßnahmen, unbelegte Exzellenz, abstrakte Sprache oder fehlende visuelle Orientierung erschweren es Gutachtern, die Stärken eines Vorhabens schnell zu erkennen.
Wer dagegen Klarheit schafft, Zusammenhänge sichtbar macht und seine Vision überzeugend vermittelt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wissenschaftliche Exzellenz auch als solche wahrgenommen wird.
Denn am Ende reicht es nicht aus, exzellent zu sein – Exzellenz muss auch erkennbar sein und aktiv demonstriert werden.
Genau diese Perspektive geht während monatelanger Antragsarbeit häufig verloren.
ResearchGFX unterstützt Forschungsteams dabei, komplexe Forschung, ambitionierte Strategien und organisatorische Konzepte aus Sicht externer Gutachter zu betrachten und so aufzubereiten, dass ihre Stärken schneller erkennbar werden.
Von Exzellenzclustern über SFBs bis hin zu ExU-Anträgen begleiten wir Forschungsteams bei der strategischen, visuellen und kommunikativen Ausarbeitung ihrer Förderanträge.
Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, ob Ihr Antrag seine Exzellenz bereits so klar vermittelt, wie er es verdient.